Jil Sander. Präsens

Stickig und erdrückend voll erschien das Foyer des Musuems für angewandte Kunst am Abend des 3. Novembers. Erwartungsvolle Blicke der Besucher schweiften durch den Raum − die vielen Augenpaare suchten dabei nur das Gesicht der einen, die im Mittelpunkt der Ausstellung steht. Jil Sander verhält sich ruhig, zurückhaltend und nimmt behutsam den Seitenausgang, als die Reden der Kuratoren erstummt sind. Wir konnten noch einen Blick auf die namhafte Designerin aus Norddeutschland erhaschen, während sie sich an den wartenden Menschen, die sie in dem kurzen Zeitabschnitt kaum wahrnahmen, vorbeischob.

Ein Gesamtwerk soll es sein, keine Retrospektive, die das Musuem in Frankfurt bis Mai 2018 zeigt. Die erste Einzelausstellung, die sich nur den Arbeiten Jil Sanders widmet, erstreckt sich über zwei Etagen, präsentiert nicht nur Kleidung und Accessoires, sondern auch Bildstrecken, Ausschnitte verschiedener Runwayshows sowie Schönheitsprodukte. Besonders imposant erscheinen die raumhohen Kampagnenbilder, die in einer Art Diashow in einem abgedunkeltem Teilbereich dargestellt werden. Jedes Bild hat eine solch starke Wirkung, dass sie in den wenigen Sekunden kaum zu greifen ist − wir blieben vier Durchgänge und lösten uns nur mühsam. Nicht minder faszinierend ist die Videoinstallation, die kurze Ausschnitte diverser Modenschauen abspielt. Gegenüber der Videowände erstreckt sich ein großer Spiegel und weist subtil auf die Mittel der weiten Räumlichkeiten hin.

Mit Sicherheit hätte es für die Jil Sander. Präsens Ausstellung keinen besseren Ort als das von Richard Meier designte Museum geben können. Es bietet den Werken genügend Raum, um sich vollends entfalten zu können, wiegt sich dabei in einem perfekten Zusammenspiel mit Jil Sanders Arbeiten selbst: Klare Linien gepaart mit einer vorherrschenden Zeitlosigkeit.

“Jil Sander. Präsens” läuft noch bis zum 6. Mai 2018 im Museum für angewandte Kunst in Frankfurt am Main.


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