Comeback: Zurück zum Kleid

Vor einigen Tagen saß ich an meinem Handy und scrollte bereits durch den dritten Online Shop. Seit einer Woche war ich da schon auf der Suche nach einem Kleid, nachdem ich mir plötzlich in den Kopf gesetzt hatte, meine beachtliche Hosensammlung auf einen der hinteren Plätze im Kleiderschrank zu verbannen. Woher mein impulsives Verlangen nach einem Kleid kam, kann ich gar nicht genau sagen. Vielleicht war es eines der hundert Fotos, die ich mir auf Instagram speicherte, vielleicht lag es auch an der sommerlichen Hitze und dem Wunsch, mit nur einem Kleidungsstück angezogen zu sein. Ich wusste jedenfalls, dass es ein Modell mit Rüschen, Lockstickerei oder zumindest ein paar wenigen Volants werden sollte: irgendwas also, das an ländliche Natur und den Film “Tess” erinnert. Als ich endlich ein hübsches, erschwingliches Exemplar gefunden hatte, wuchs tatsächlich so etwas wie Aufregung in mir. Immerhin war ich gerade dabei, ein Stückchen der Person, die ich vor zwei Jahren war, zurück in meine Garderobe zu lassen. Damals nämlich zählten flatternde Kleider nicht nur zu meiner modischen Ausstattung, vielmehr waren sie ein grundlegendes Element.

Vermutlich hatte ich mich irgendwann an ihnen sattgesehen, zumindest würde das ganz gut erklären, weshalb ich in den darauffolgenden Monaten, gar Jahren, nur noch auf Hosen setzte (mit einer Ausnahme während der Berliner Fashion Week im Sommer 2017). Ich wollte dieses Mädchenhafte gänzlich abschütteln, wählte also den radikalsten Weg. Auch das hatte seine schönen Seiten, ich entdeckte so beispielsweise meine Liebe zu Anzügen im Stil von Miami Vice und auch Jeans wurden nach einer halben Ewigkeit fester Bestandteil meiner Kleiderwahl. Jetzt aber bin ich auch hiervon ein wenig müde und bin bereit, eine ziemlich erwachsene Entscheidung zu treffen und einen Kompromiss einzugehen.

Irgendetwas zwischen Anzug und Kleidchen, wallendem Rock und klassischer Jeans soll es nun sein. Ein Mittelweg also, der für mich ein bisschen danach klingt, als müsse ich meine Garderobe auf den Kopf stellen, ausmisten und von ganz vorne beginnen. So, als hätte ich meinen Stil noch immer nicht gefunden, trotz der vielen Jahre des Austestens und Scheiterns. Aber auch das gehört ja irgendwie zum Stil dazu. Das Comeback feiert das Kleid an dieser Stelle nun mit einem langen Blazer und einer bunten Perlentasche und eigentlich bin ich ganz zufrieden mit dieser Art des Kompromisses.

H&M dress, Asos bag, Gestuz blazer and Black Phoenix sunglasses;


Etwas suchen?